Was ein 17.000 Jahre altes Pferd mit Spotify zu tun hat 

und warum wir trotzdem Musik machen


Wir hören heute mehr Musik als je zuvor.
Und trotzdem können immer weniger Musiker von ihrer Kunst leben.

Das ist kein persönliches Versagen einzelner Künstler.
Es ist auch kein Zufall.
Es ist das Ergebnis einer Entwicklung, in der sich menschlicher Ausdruck und seine Vermarktung immer weiter voneinander entfernt haben.


Warum machen Menschen überhaupt Kunst?
Nicht, weil sie sich rechnet. Nicht, weil sie gefragt ist.
Sondern weil Menschen seit jeher das Bedürfnis haben, etwas auszudrücken, etwas zu teilen, etwas zu hinterlassen. Kunst ist kein Produkt – sie ist ein Impuls.


Wie alles begann

Vor etwa 17.000 Jahren malt ein Mensch ein Pferd an die Decke einer Höhle in Lascaux. Kein Publikum. Kein Applaus. Kein Gegenwert. Niemand fragt nach Rechten, Verwertung oder Reichweite. Da ist nur dieser Moment, in dem etwas nach Ausdruck verlangt.

Dieses Pferd ist geblieben.


Nicht, weil es geschützt war.
Sondern weil es gemeint war.


Erst viel später kamen Rechte ins Spiel. Nicht, um Kunst zu begrenzen, sondern um Künstler zu schützen. Um sicherzustellen, dass Menschen von dem leben können, was sie erschaffen. Schutz durch Ermöglichung – das war der ursprüngliche Gedanke hinter dem Urheberrecht.


Und heute?

Heute ist Musik jederzeit verfügbar. Über Plattformen wie Spotify liegt nahezu die gesamte Musikgeschichte in unserer Hosentasche. Das ist bequem. Das ist beeindruckend. Und es hat seinen Preis.


Die Vergütung für Musiker liegt bei etwa 0,003 bis 0,004 Euro pro Stream.

Vier Zehntel Cent.

Für tausende Stunden Ausbildung, Entwicklung, Einsatz, Motivation, Inspiration, Investition.

Ist das angemessen? Ist das noch Wertschätzung? Ist das erstrebenswert?


Ein Song muss hunderttausendfach gehört werden, um ein Abendessen zu bezahlen. Millionenfach, um eine Miete zu tragen. Noch öfter, um so etwas wie Sicherheit zu erzeugen.


Hier beginnt die eigentliche Frage:
Trägt dieses System heute noch den Gedanken des Künstlerschutzes – oder dient es vor allem der Bereicherung einiger Weniger, mit den Mitteln maximaler Zugänglichkeit für alle?


Und noch unbequemer:
Warum spielen so viele Künstler dieses Spiel überhaupt mit?

Vielleicht, weil es keine sichtbaren Alternativen gibt.
Vielleicht, weil Sichtbarkeit mit Bedeutung verwechselt wird.
Vielleicht, weil wir gelernt haben, dass Reichweite wichtiger ist als Begegnung.


Gleichzeitig erleben wir das andere Extrem.

Megastars füllen Stadien. Perfekte Shows, gigantische Technik, Ticketpreise bis zu 800 Euro. Beeindruckend – ohne Frage. Aber auch hier darf man fragen: Ist das noch Begegnung oder bereits industrialisierte Kunst?


Wie viel „mehr“ ist eigentlich genug?

Zwischen nahezu kostenloser Verfügbarkeit und extrem teuren Großereignissen entsteht ein Raum, der oft übersehen wird. Ein Raum, in dem Kunst nicht funktionieren muss, sondern passieren darf. Ein Raum ohne Millioneninvestitionen, ohne Skalierungszwang, ohne Perfektionsdruck.

Genau dort entstehen die eigenwilligen Projekte.
Dort tun Menschen etwas, weil sie davon überzeugt sind, anderen Menschen etwas geben zu können. Einen Einblick. Einen Moment. Eine Melodie, die bleibt.


Der Gläserne Proberaum ist ein solcher Ort.
Nicht als Protest gegen Streaming.

Nicht als Gegenmodell zu großen Konzerten.
Sondern als bewusste Ergänzung.

Hier wird Musik nicht konsumiert, sondern erlebt.
Hier entstehen keine fertigen Produkte, sondern Begegnungen.
Zwischen Musikerinnen und Musikern.

Zwischen Spielenden und Zuhörenden.

Miteinander.


Was uns antreibt, ist eine Haltung. Der Mut, Räume offen zu lassen. Die Offenheit, nicht alles kontrollieren zu wollen. Und die Überzeugung, dass es manchmal reicht, zur richtigen Zeit das Richtige zu tun.


Für dieses Projekt sind Musiker und Besucher bereits hunderte Kilometer angereist.

Nicht, weil sie mussten, sondern weil sie wollten. Sie haben sich eingebracht, mitgespielt, zugehört – und viele von ihnen werden wiederkommen. Um gemeinsam mit den SHANTEEZ ein musikalisches Bild zu malen. Nicht perfekt. Nicht für den Markt. Sondern für den Moment.


Das Pferd in der Höhle von Lascaux wurde nicht gemalt, weil jemand wusste, dass es Bestand haben würde. Es wurde gemalt, weil es gemalt werden musste.


Wir betreiben unseren Gläsernen Proberaum mit Stolz und mit Offenheit für alle, die neugierig sind auf Musik, auf Begegnung und auf das, was zwischen Menschen entstehen kann. In den letzten drei Jahren haben wir dafür viel Unterstützung erfahren – von Musikerinnen und Musikern, von Besucherinnen und Besuchern, von Unternehmen, Privatpersonen und Behörden. Diese Rückendeckung zeigt uns, dass es richtig ist, unsere Türen offenzuhalten.


Du kannst jederzeit Teil dieses Projekts sein.
Als Zuhörer. Als Mitspieler. Als Unterstützer.
Oder einfach als Mensch, der einen Moment teilt.


Fühl dich willkommen.


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